Das Potenzial abfallbasierter Kraftstoffe ausnutzen!

Warum die Europäische Kommission die Obergrenze für Biokraftstoffe aus Rohstoffen des Anhangs IX Teil B überdenken muss

Die Europäische Union hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt – insbesondere im Verkehrssektor. Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte fortschrittliche und abfallbasierte Biokraftstoffe. Doch ein aktuelles Positionspapier unseres europäischen Schwesterverbandes European Waste-based & Advanced Biofuels Association (EWABA) macht deutlich: Die bestehenden regulatorischen Rahmenbedingungen bremsen das Potenzial dieser Biokraftstoffe aus.


Das Problem: Mehr Rohstoffe, aber gleiche Obergrenze

Im Fokus steht die 1,7%-Obergrenze (energetisch) für die Anrechenbarkeit von Biokraftstoffen aus Rohstoffen des Anhangs IX Teil B der Erneuerbare-Energien-Richtlinie, sogenannte abfallbasierte Biokraftstoffe. Diese Vorgabe limitiert die Verwendung besonders nachhaltiger Biokraftstoffe – etwa aus gebrauchten Speiseölen oder tierischen Fetten – im Verkehrssektor.

Das Problem: Während die EU die Liste zulässiger Rohstoffe im Teil B deutlich erweitert hat, wurde die Obergrenze nicht angepasst. Die Rohstoffpalette ist also größer geworden, die Absatzmöglichkeiten wurden aber nicht dementsprechend noch oben korrigiert.

Neue Rohstoffe wie Zwischenfrüchte und Deckfrüchte wurden dem Anhang IX Teil B hinzugefügt. Ihr Potenzial ist enorm – Schätzungen gehen von mehreren zehn Millionen Tonnen jährlich aus. Trotzdem bleibt die erlaubte Menge anrechenbarer Biokraftstoffe aus Anhang IX Teil B-Rohstoffen auf 1,7 % begrenzt. Das sendet negative Signale an Investoren, hemmt den Ausbau nachhaltiger Produktionskapazitäten und demotiviert zusätzliche Sammelaktivitäten bei Altspeiseölen.


Schlüsselrolle für Versorgungssicherheit und Klimaschutz

Abfallbasierte Biokraftstoffe sind seit Jahren im europäischen Markt verfügbar und gehören zu den effektivsten Lösungen im Verkehr mit unverzichtbaren Eigenschaften:

  • Sie reduzieren Importe von fossilem Diesel
  • Sie tragen zur Energiesicherheit und Resilienz der EU bei
  • Sie mindern Treibhausgasemissionen bis zu 90 % im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen
  • Sie sind sofort einsetzbar in bestehenden Fahrzeugflotten, besonders relevant für Schwerlastverkehr und Schifffahrt
  • Sie unterstützen die Ziele der EU-Kreislaufwirtschaft
  • Sie schaffen lokale Arbeitsplätze in Sammlung und Verarbeitung
  • Sie steigern den Wert von Abfallströmen, die sonst Umweltschäden verursachen würden

Höhere Beimischungen (B10, B15, B20, B100) werden bereits erfolgreich in mehreren EU-Mitgliedstaaten eingesetzt und ermöglichen dort dem Verkehrssektor höhere Treibhausgasminderungen, ohne dass neue Fahrzeugtechnologien erforderlich sind.


Die Analyse des EWABA kommt zu einem klaren Ergebnis:
Die bestehende 1,7%-Obergrenze ist nicht mehr zeitgemäß. Sie ist überholt. Sie sollte entfallen, mindestens aber deutlich angehoben werden.

Eine deutliche Anhebung oder vollständige Abschaffung der Obergrenze würde:

  • schnell und kosteneffizient zusätzliche Treibhausgasminderungen ermöglichen
  • sowohl die Defossilisierung des Straßen- als auch des Seeverkehrs unterstützen
  • für regulatorische Konsistenz sorgen
  • die Energiesicherheit der EU stärken
  • das Potenzial besonders nachhaltiger Rohstoffe vollständig heben

Der Wert von Biokraftstoffen wird gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen deutlich: Sie stärken die Versorgungssicherheit, mindern die Importabhängigkeit, dienen dem Klimaschutz und schaffen regionale Wertschöpfung. Die Europäische Kommission sollte deshalb unverzüglich die bestehende Obergrenze korrigieren.

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Biokraftstoffe in der Schifffahrt

<strong>Abfallbasierte Biokraftstoffe.</strong>

Abfallbasierte Biokraftstoffe.

„Von zentraler Bedeutung“ für den Klimaschutz im Seeverkehr

Auch der Seeverkehr muss zukünftig einen deutlich höheren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Es gilt, heute verwendete fossile Kraftstoffe, nicht nur so schnell und umfänglich wie möglich durch erneuerbare Kraftstoffe zu ersetzen sondern auch so effizient und wirtschaftlich wie möglich.

Wie der Schwerlastverkehr auf der Straße wird auch der Schiffsverkehr in Zukunft weitestgehend auf die Nutzung flüssiger Kraftstoffe angewiesen sein.

Abfallbasierte Biokraftstoffe zählen zu diesen erneuerbaren, flüssigen Kraftstoffen. Wichtige Rohstoffe für die Produktion dieser besonders nachhaltigen Kraftstoffe sind biogene „Abfallöle“, in erster Linie gebrauchte Speiseöle und tierische Fette. Diese werden im Teil B des Anhangs IX der Richtlinie (EU) 2018/2001 aufgelistet. Dabei darf nicht vergessen werden: Diese „Abfallöle“ sind nur begrenzt verfügbar. Deshalb sollten sie ausschließlich dort eingesetzt werden, wo sie effizient für den Verkehrssektor insgesamt den höchsten Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die Studie „Conversion efficiencies of fuel pathways for Used Cooking Oil” hat untersucht, für welche Verkehrssektoren gebrauchte Speiseöle für Klimaschutz und Verbraucher am effizientesten zu Biokraftstoff verarbeitet werden. Mit eindeutigem Ergebnis: für den Straßenverkehr und Schiffsverkehr, zu Biodiesel verarbeitet. Dieses Ergebnis kann auf tierische Fette und andere biogene Abfallöle des Anhangs IX Teil A der Richtlinie (EU) 2018/2001 übertragen werden. 

Es gibt zwei weitere wichtige Argumente für den Einsatz nachhaltiger Schiffskraftstoffe aus gebrauchten Speiseölen und tierischen Fetten. Im Verordnungsvorschlag der Europäischen Kommission im Rahmen der FuelEU Maritime-Initiative heißt es: „Von zentraler Bedeutung sind insbesondere die nachhaltigen Schiffskraftstoffe, die aus den in Anhang IX Teil B der Richtlinie (EU) 2018/2001 aufgeführten Rohstoffen hergestellt werden, da die ihnen zugrunde liegende Technologie derzeit die kommerziell ausgereifteste ist und mit ihnen der Seeverkehr bereits auf kurze Sicht dekarbonisiert werden kann.“

Hinzu kommt: Es gibt mittlerweile eine Vielzahl praktischer Erfahrungen mit dem Einsatz nachhaltiger Schiffskraftstoffe aus den in Anhang IX Teil B aufgeführten Rohstoffen. Nahezu wöchentlich berichten Reedereien über ihre positiven Erfahrungen mit dem Einsatz abfallbasierter Biokraftstoffe in unterschiedlichsten Schiffstypen.

Eine Vielzahl der dort eingesetzten Motoren ist bereits für die Betankung mit Biodiesel freigegeben. Um welche Motoren es sich dabei handelt, zeigt die Liste „Freigaben in der Binnenschifffahrt für den Betrieb mit Biodiesel (B7 | B20 | B30 | B100)“.

Kraftstoffe für einen klimafreundlichen Straßenverkehr

Was machen wir?

Was machen wir?

Kraftstoffe für einen klimafreundlichen Straßenverkehr

Klimaziele erreichen. Mobilität erhalten.

Um unsere ambitionierten Klimaziele zu erreichen, muss der Verkehrssektor seine Treibhausgasemissionen schnell und spürbar mindern. Dafür sind auch Maßnahmen erforderlich, die direkt im Fahrzeugbestand genutzt werden können.

Die Verwendung von abfallbasiertem Biodiesel ist eine solche Maßnahme.

Abfallbasierter Biodiesel mindert die Treibhausgasemissionen um mehr als 90 Prozent und wird bereits heute fossilem Diesel bis zu 7 Prozent beigemischt. Unsere Mitglieder produzieren den besonders klimafreundlichen Biodiesel in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden.

Erfreulich ist der kontinuierliche Anstieg beim Absatz von abfallbasiertem Biodiesel. Im Jahr 2018 z. B. lag er bei 1,1 Mio. Tonnen. Mit dem Effekt, dass im Verkehrssektor allein dadurch 3,6 Mio. t CO2-eq weniger Treibhausgase emittiert wurden. Zudem waren Abfall und Reststoffe die wichtigsten Ausgangsstoffe für die Produktion des in Deutschland in Verkehr gebrachten Biodiesels. Doch da ist reichlich Luft nach oben – auch mit Ihrer Unterstützung.