Biodiesel B100: Elf Fragen und elf Antworten

Kurze Versorgungswegen, heimische Produktion und einem Preisvorteil von bis zu 30 Cent/Liter (09/2026) sind gute Argumente, welche für Fuhrparkbetreiber, Speditionen und kommunale Betriebe den Nerv der Zeit treffen.

Die 11 häufigsten Fragen am Stand der IAA Transportation 2026 und unsere Antworten darauf waren:

1️⃣ Wo kann man B100 tanken?
👉 B100 wird aktuell nicht an öffentlichen Tankstellen oder Pooltankstellen angeboten. Die Versorgung einer Eigenverbrauchstankstelle mit B100 ist deutschlandweit aber problemlos möglich.

2️⃣ Was muss ich bei meinen Fahrzeugen anpassen, um B100 zu tanken?
👉 Viele Nutzfahrzeuge sind bereits für den Betrieb mit B100 freigegeben, siehe aktuelle Freigaben-Broschüre.
Ob es die Möglichkeit gibt, nicht freigegebene Nutzfahrzeuge für eine Betankung mit B100 umzurüsten, erfahren Sie in Ihrer Fachwerkstatt oder direkt beim Hersteller.

3️⃣ Kann die B100-Versorgung eines Fuhrparks gesichert werden?
👉 Deutschland verfügt über eine Kapazität zur Produktion von 4 Millionen Tonnen Biodiesel. Lediglich 2 Millionen Tonnen werden pro Jahr für das bestehende B7-Angebot benötigt.

4️⃣ Ändern sich meine Wartungsintervalle bei einer B100-Betankung?
👉 Davon sollte ausgegangen werden, da Nutzfahrzeughersteller kürzere Ölwechselintervalle im Falle einer B100-Betankung vorschreiben.

5️⃣ Worauf sollte ich noch achten, wenn ich meinen Fuhrpark auf B100 umstellen möchte?
👉 Wurde der Fuhrpark lange Zeit mit fossilem Diesel betrieben, können sich Ablagerungen im Lagertank und Fahrzeugtank gebildet haben. Diese Ablagerungen werden vom Biodiesel gelöst und könnten einen Filterwechsel nach der Umstellung erforderlich machen.

6️⃣ Woraus wird B100 hergestellt?
👉 B100 ist reiner Biodiesel, also 100% Fettsäuremethylester (FAME). In Deutschland wird Biodiesel hauptsächlich aus Rapsöl und Abfallölen, wie gebrauchten Speiseölen, hergestellt.

7️⃣ Benötige ich weiter, AdBlue wenn ich B100 verwende?
👉 Ja, AdBlue wird weiterhin benötigt.

8️⃣ Kann ich mich auf eine bundesweit einheitliche Biodieselqualität verlassen?
👉 Ja, reiner Biodiesel muss deutschlandweit den strengen Vorgaben der DIN EN 14214 entsprechen.

9️⃣ Muss ich mir Sorgen im Winterbetrieb machen?
👉 Die DIN EN 14214 schreibt vor, dass Biodiesel in den Wintermonaten mit einem CFPP von -20°C angeboten werden muss.

🔟 Wird HVO auch als Biodiesel bezeichnet?
👉 Nein. Biodiesel darf nicht mit HVO verwechselt werden. Biodiesel entsteht durch Umesterung von Lipiden, wie Rapsöl oder gebrauchten Speiseölen. Zur HVO-Produktion ist eine katalytische Hydrierung von Lipiden erforderlich.

11. Kann ich fossilen Diesel tanken, wenn ich unterwegs nicht die Möglichkeit habe, B100 zu tanken?
👉Ja, ein wechselseitiger Betrieb mit fossilem Diesel ist möglich.

Bild: MVaK auf der IAA Transportation 2026

Mehr Biodiesel in den Tank

B10: Der Kraftstoff ist bereit – sind Sie es auch?

Warum tanken wir eigentlich noch B7? Diese Frage stellen sich bislang nur wenige Dieselfahrer. Dabei könnte B10 mit seinem höheren Biodieselanteil einen wichtigen Beitrag leisten, um die Versorgung mit Kraftstoffen robuster zu machen, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffimporten zu verringern und Preisschwankungen abzufedern. Trotzdem ist der Kraftstoff bislang nicht flächendeckend an Tankstellen zu finden. Ein wichtiger Grund dafür dürfte auch die geringe Nachfrage sein. Wer sich beim Fahrzeughersteller nach einer B10-Freigabe erkundigt oder an der Tankstelle gezielt nach B10 fragt, kann dazu beitragen, das Interesse an dem Kraftstoff sichtbar zu machen.

B10 senkt Tankkosten und fördert die Energieunabhängigkeit


Was spricht für den höheren Biodiesel-Anteil?

Der Kraftstoff B10 enthält bis zu zehn Prozent Biodiesel statt bis zu sieben Prozent wie bisher bei B7. Ein flächendeckendes Angebot wäre damit eine der schnellsten und effektivsten Möglichkeiten, unmittelbar Kosten an der Zapfsäule und zugleich die Treibhausgasemissionen zu senken. Ein großer Teil des heute eingesetzten Biodiesels stammt aus biogenen Rest- und Abfallstoffen oder anderen erneuerbaren Rohstoffen. Deutschland verfügt über eine Kapazität zur Produktion von 4 Millionen Tonnen Biodiesel. Das entspricht rund 12 % des Dieselbedarfs. Nach Ansicht des Mittelstandsverbands abfallbasierter Kraftstoffe (MVaK) fördert eine stärkere Nutzung von B10 die heimische Wertschöpfung, sichert Arbeitsplätze und macht die Versorgung mit Kraftstoffen krisenfester. Unter www.mvak.eu/b10 erläutert der Verband, welche Argumente für den Einsatz sprechen und welche Entwicklungen derzeit diskutiert werden.

Einfach nachfragen lohnt sich

Eine Vielzahl von Dieselfahrzeugen ist für die Betankung mit B10 freigegeben. Ob das eigene Kfz dazugehört, lässt sich ganz einfach durch einen Blick in die Betriebsanleitung oder eine Nachfrage beim Fahrzeughersteller klären. Ebenso lohnt es, sich an der Tankstelle zu erkundigen, ob B10 bereits angeboten wird oder wann es in das Sortiment aufgenommen werden soll. Denn auch an der Tankstelle gehören Angebot und Nachfrage zusammen – und je größer das Interesse der Autofahrer, desto eher dürfte das Angebot wachsen. Wer einen für B10 zugelassenen Diesel fährt und sich bewusst für Kraftstoffe mit höherem Biodieselanteil entscheidet, kann damit einen Beitrag zur Zukunftssicherheit unserer Mobilität leisten.

Viele Dieselfahrzeuge sind für B10 freigegeben

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unten und klein in der Headline: Monkey Business – stock.adobe.com

Biokraftstoffe in der Schifffahrt

<strong>Abfallbasierte Biokraftstoffe.</strong>

Abfallbasierte Biokraftstoffe.

„Von zentraler Bedeutung“ für den Klimaschutz im Seeverkehr

Auch der Seeverkehr muss zukünftig einen deutlich höheren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Es gilt, heute verwendete fossile Kraftstoffe, nicht nur so schnell und umfänglich wie möglich durch erneuerbare Kraftstoffe zu ersetzen sondern auch so effizient und wirtschaftlich wie möglich.

Wie der Schwerlastverkehr auf der Straße wird auch der Schiffsverkehr in Zukunft weitestgehend auf die Nutzung flüssiger Kraftstoffe angewiesen sein.

Abfallbasierte Biokraftstoffe zählen zu diesen erneuerbaren, flüssigen Kraftstoffen. Wichtige Rohstoffe für die Produktion dieser besonders nachhaltigen Kraftstoffe sind biogene „Abfallöle“, in erster Linie gebrauchte Speiseöle und tierische Fette. Diese werden im Teil B des Anhangs IX der Richtlinie (EU) 2018/2001 aufgelistet. Dabei darf nicht vergessen werden: Diese „Abfallöle“ sind nur begrenzt verfügbar. Deshalb sollten sie ausschließlich dort eingesetzt werden, wo sie effizient für den Verkehrssektor insgesamt den höchsten Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die Studie „Conversion efficiencies of fuel pathways for Used Cooking Oil” hat untersucht, für welche Verkehrssektoren gebrauchte Speiseöle für Klimaschutz und Verbraucher am effizientesten zu Biokraftstoff verarbeitet werden. Mit eindeutigem Ergebnis: für den Straßenverkehr und Schiffsverkehr, zu Biodiesel verarbeitet. Dieses Ergebnis kann auf tierische Fette und andere biogene Abfallöle des Anhangs IX Teil A der Richtlinie (EU) 2018/2001 übertragen werden. 

Es gibt zwei weitere wichtige Argumente für den Einsatz nachhaltiger Schiffskraftstoffe aus gebrauchten Speiseölen und tierischen Fetten. Im Verordnungsvorschlag der Europäischen Kommission im Rahmen der FuelEU Maritime-Initiative heißt es: „Von zentraler Bedeutung sind insbesondere die nachhaltigen Schiffskraftstoffe, die aus den in Anhang IX Teil B der Richtlinie (EU) 2018/2001 aufgeführten Rohstoffen hergestellt werden, da die ihnen zugrunde liegende Technologie derzeit die kommerziell ausgereifteste ist und mit ihnen der Seeverkehr bereits auf kurze Sicht dekarbonisiert werden kann.“

Hinzu kommt: Es gibt mittlerweile eine Vielzahl praktischer Erfahrungen mit dem Einsatz nachhaltiger Schiffskraftstoffe aus den in Anhang IX Teil B aufgeführten Rohstoffen. Nahezu wöchentlich berichten Reedereien über ihre positiven Erfahrungen mit dem Einsatz abfallbasierter Biokraftstoffe in unterschiedlichsten Schiffstypen.

Eine Vielzahl der dort eingesetzten Motoren ist bereits für die Betankung mit Biodiesel freigegeben. Um welche Motoren es sich dabei handelt, zeigt die Liste „Freigaben in der Binnenschifffahrt für den Betrieb mit Biodiesel (B7 | B20 | B30 | B100)“.

Kraftstoffe für einen klimafreundlichen Straßenverkehr

Was machen wir?

Was machen wir?

Kraftstoffe für einen klimafreundlichen Straßenverkehr

Klimaziele erreichen. Mobilität erhalten.

Um unsere ambitionierten Klimaziele zu erreichen, muss der Verkehrssektor seine Treibhausgasemissionen schnell und spürbar mindern. Dafür sind auch Maßnahmen erforderlich, die direkt im Fahrzeugbestand genutzt werden können.

Die Verwendung von abfallbasiertem Biodiesel ist eine solche Maßnahme.

Abfallbasierter Biodiesel mindert die Treibhausgasemissionen um mehr als 90 Prozent und wird bereits heute fossilem Diesel bis zu 7 Prozent beigemischt. Unsere Mitglieder produzieren den besonders klimafreundlichen Biodiesel in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden.

Erfreulich ist der kontinuierliche Anstieg beim Absatz von abfallbasiertem Biodiesel. Im Jahr 2018 z. B. lag er bei 1,1 Mio. Tonnen. Mit dem Effekt, dass im Verkehrssektor allein dadurch 3,6 Mio. t CO2-eq weniger Treibhausgase emittiert wurden. Zudem waren Abfall und Reststoffe die wichtigsten Ausgangsstoffe für die Produktion des in Deutschland in Verkehr gebrachten Biodiesels. Doch da ist reichlich Luft nach oben – auch mit Ihrer Unterstützung.