Bioöl für Ölheizungen: Wie viel heimischer Biodiesel steckt künftig im Kessel?
Bioöl könnte künftig eine deutlich größere Rolle bei der Beheizung von Gebäuden spielen. Mit dem geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) möchte die Bundesregierung den Einsatz von Bioöl in Ölheizungen ab 2028 ermöglichen und den Anteil erneuerbarer Energieträger schrittweise erhöhen. Noch vor der parlamentarischen Sommerpause soll das GModG beschlossen werden. Doch was genau ist unter Bioöl zu verstehen, welche Mengen werden benötigt und welche Chancen ergeben sich für die heimische Biodieselproduktion?
Welche Bioöle gibt es?
Als Bioöl (oder Bioheizöl) gelten unter anderem Fettsäuremethylester (Biodiesel) sowie hydriertes Pflanzenöl (HVO), also Brennstoffe ohne einen fossilen Anteil. Der Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes definiert diese Kraft- bzw. Brennstoffe klar. Bereits heute erlaubt die Heizölnorm DIN 51603-6 eine Beimischung von bis zu 20,9 Prozent Biodiesel zu fossilem Heizöl.
Nach den Plänen der Bundesregierung soll dieser Anteil im Rahmen der sogenannten „Bio-Treppe“ bis zum Jahr 2040 schrittweise auf 60 Prozent steigen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die geltende Heizölnorm entsprechend angepasst wird und moderne Ölbrenner so ausgelegt sind, dass sie die steigenden Bioölanteile problemlos verarbeiten können.
Bioölquote für bestehende Heizungen
Für bereits installierte Ölheizungen ist eine sogenannte Bioölquote vorgesehen. Ab 2028 soll Heizöl zunächst einen Bioölanteil von einem Prozent enthalten. Auch dieser Anteil soll in den folgenden Jahren weiter steigen. Noch offen ist allerdings, ob sich diese Quote auf jede einzelne Heizöllieferung oder auf den gesamten Heizölabsatz bezieht.
Nutzung der bestehenden Heizöllogistik
Die Einführung von Bioöl könnte über die bereits vorhandene Heizöllogistik erfolgen. Heizölhändler hätten die Möglichkeit, Biodiesel selbst beizumischen oder bereits fertig gemischtes Bioheizöl von Raffinerien oder Großhändlern zu beziehen. Dass dieses Konzept funktionieren kann, zeigt Baden-Württemberg, wo Bioöl bereits seit 2011 erfolgreich eingesetzt wird.
Technische Anpassungen bleiben überschaubar
Grundsätzlich soll die Heizölnorm sicherstellen, dass normgerechtes Bioheizöl in bestehenden Anlagen eingesetzt wird. Größere Umbauten an Heizungen werden derzeit nicht erwartet. Heizungsbauer können sagen, welche Anpassungen möglicherweise erforderlich sind. Wie bereits aus dem Verkehrsbereich bekannt, könnten bei steigenden Biodieselanteilen geeignete Additive zum Einsatz kommen, um die Anforderungen an die Lagerstabilität des Bioöls sicherzustellen.

Bildnachweis: Christian Schier – stock.adobe.com
Heimischer Biodiesel als bevorzugte Lösung
Aus Sicht der Branche sollte Bioöl möglichst aus der heimischen Biodieselproduktion stammen. HVO wird aktuell nicht in Deutschland hergestellt. Große Mengen HVO werden aus Fernost importiert. Biodiesel aus heimischer Produktion stärkt gleichzeitig den Klimaschutz, erhöht die regionale Wertschöpfung und verbessert die Versorgungssicherheit.
Künftig könnten zwei unterschiedliche Bioheizölsorten auf den Markt kommen: Zum einen das sogenannte „Treppenöl“ für neu installierte Heizungen mit einem schrittweise steigenden Bioanteil von zunächst zehn ab 2029 bis auf 60 Prozent ab 2040. Zum anderen das „Quotenöl“ für bestehende Heizungen, das ab 2028 mit einem Bioanteil von zunächst einem Prozent eingeführt werden soll.
Ausreichende Produktionskapazitäten vorhanden
Deutschland verfügt 2025 über rund fünf Millionen Ölheizungen. Wird ein durchschnittlicher Jahresverbrauch von 1,5 bis zwei Tonnen Heizöl pro Anlage zugrunde gelegt, ergibt sich ein maximaler Gesamtbedarf von etwa zehn Millionen Tonnen Heizöl jährlich.
Ein Bioölanteil von zunächst einem Prozent würde einen Bedarf von rund 100.000 Tonnen Biodiesel bedeuten. Die Produktionskapazität der deutschen Biodieselindustrie liegt derzeit bei etwa vier Millionen Tonnen pro Jahr. Rund zwei Millionen Tonnen werden aktuell für die Beimischung im Dieselkraftstoff benötigt. Die verbleibenden Kapazitäten könnten grundsätzlich für den Wärmemarkt genutzt werden. Hinzu kommt, dass der Dieselverbrauch in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter zurückgehen wird und dadurch zusätzliche Biodieselmengen verfügbar werden könnten.
Welche Rohstoffe eignen sich für Bioöl?
Als wichtigste Rohstoffe gelten derzeit Rapsöl sowie sogenannte Abfalllipide, beispielsweise gebrauchte Speiseöle oder tierische Fette. Welche Rohstoffe letztlich eingesetzt werden, hängt vor allem von ihrer Verfügbarkeit und den jeweiligen Marktpreisen ab.
Zusätzliches Potenzial wird bei der Sammlung gebrauchter Speiseöle aus Privathaushalten gesehen. Eine flächendeckende Erfassung könnte künftig zusätzliche Rohstoffmengen erschließen.
Biodiesel: Wärmemarkt oder Straßenverkehr?
Trotz der neuen Perspektiven im Wärmemarkt wird das größere Potenzial weiterhin im Verkehrssektor gesehen. Bereits heute sind zahlreiche Pkw, Lkw und landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge für höhere Biodieselbeimischungen wie B10 oder sogar für den Betrieb mit reinem Biodiesel freigegeben. Würden diese Möglichkeiten konsequenter genutzt, ließen sich deutlich größere Mengen erneuerbarer Kraftstoffe einsetzen

Bildnachweis: Wolfilser – stock.adobe.com
Wirtschaftlichkeit auch ohne GModG-Verpflichtung denkbar
Steigende geopolitische Unsicherheiten könnten Bioöl auch ohne gesetzliche Heizöl-Beimischungspflicht wirtschaftlich attraktiv machen. In der Vergangenheit zeigte sich, dass Biodieselpreise deutlich weniger stark auf internationale Krisen reagierten als fossile Kraftstoffe. Zeitweise lag Biodiesel sogar bis zu 30 Cent pro Liter unter dem Preis für fossilen Diesel.
Ein weiterer Vorteil: Biokraftstoffe unterliegen nicht der CO₂-Bepreisung nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG). Mit steigenden CO₂-Preisen in den nächsten 20 Jahren könnte Bioheizöl dadurch zunehmend wirtschaftlicher werden.
Klare Informationen schaffen Akzeptanz
Damit Bioöl im Wärmemarkt erfolgreich eingeführt werden kann, kommt einer verständlichen und einheitlichen Kommunikation große Bedeutung zu. Verbraucher, Heizungshersteller, Heizungsbauer, Heizölhändler und Medien sollten gleichermaßen sachlich informieren und Verunsicherung vermeiden.
Gelingt es, heimisch produzierten Biokraftstoff im Wärmemarkt zu etablieren, könnten Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit gleichermaßen profitieren.
Bildnachweis (Headline): Erika – stock.adobe.com


















