Höchste Zeit für B10. Ein Überblick.
Klimapolitischer Handlungsdruck.
Um unsere Klimaziele zu erreichen, müssen wir alle verfügbaren Optionen zur effektiven Treibhausgasminderung nutzen. Insbesondere im Verkehrssektor. Und insbesondere dann, wenn diese Optionen dazu beitragen, dass auch der Verbrennerbestand einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Biodiesel ist eine solche Option. Biodiesel mindert die Treibhausgasemissionen gegenüber herkömmlichem Diesel bis zu 90 Prozent. Dieser Wert ist abhängig vom eingesetzten Ausgangsstoff zur Produktion des Biodiesels. Biodiesel wird seit 2009 herkömmlichem Diesel bis zu 7 Prozent (B7) beigemischt. Wer heute ein Dieselfahrzeug an einer öffentlichen Tankstelle betankt, betankt es in der Regel auch anteilig mit Biodiesel.
Aber es geht noch mehr! Denn viele Dieselfahrzeuge dürfen Biodiesel auch in höheren Beimischungen verwenden, wie B10, B20, B30 oder Biodiesel in reiner Form (B100). Entscheidend dabei ist die Freigabe des Fahrzeuges durch den Hersteller.
Im Fokus: Versorgungssicherheit.
Deutschland hat ein Dieseldefizit. Das heißt die hiesige Produktion von fossilem Diesel reicht nicht aus, um den privaten und gewerblichen Bedarf zu decken. Deutschland muss deshalb große Mengen fossilen Diesels importieren. Wie hoch Deutschlands Abhängigkeit von Dieselimporten ist, wird immer dann besonders deutlich, wenn geopolitische Konflikte internationale Handelsrouten blockieren oder wenn die Handelsbeziehungen zu ehemaligen Diesellieferanten gekappt werden.
Deshalb sollte die Bundesregierung alle Hebel in Bewegung setzen, damit die heimische Biodieselproduktion vollumfänglich ausgeschöpft wird. Deutschland verfügt über eine Kapazität zur Biodieselproduktion von rund 4 Millionen Tonnen. Das entspricht etwa 12 Prozent des deutschen Dieselbedarfs und kann mit 44 Tagen Diesel-Versorgungssicherheit gleichgesetzt werden. Ebenso sollte die Bundesregierung sicherstellen, dass der in Deutschland produzierte Biodiesel in Deutschland verwendet und nicht – wie in den vergangenen Jahren – in großen Mengen exportiert wird. Eine Option, mehr heimisch produzierten Biodiesel zu verwenden, ist B10.
Was ist B10?
Wird herkömmlichem Diesel bis zu 10 Prozent Biodiesel beigemischt, spricht man von B10. Biodiesel wird auch als FAME = Fatty Acid Methyl Ester bezeichnet.
Wichtig zu wissen: HVO ist kein Biodiesel! Biodiesel wird per Umesterung hergestellt, meist aus gebrauchten Speiseölen und Rapsöl. HVO dagegen wird per Hydrierung und Isomerisierung hergestellt. Ebenso darf eines nicht übersehen werden: In Deutschland gibt es keine HVO-Produktion. Sämtliches in Deutschland verwendetes HVO muss importiert werden, meist aus Asien.

Was spricht für B10?
Preisdämpfende Wirkung. Je höher die Beimischung von heimisch produziertem Biodiesel ist, desto weniger ist der Dieselpreis an der Zapfsäule Spiegelbild geopolitischer Konflikte. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hätte B10 bis zu 3 Cent pro Liter günstiger angeboten werden können als B7.
Effizienz. Die Erhöhung der Biodiesel-Beimischung auf bis zu 10 Prozent stellt gegenüber anderen erneuerbaren Kraftstoffoptionen die wohl effizienteste und wirtschaftlichste Option für Verbraucher und Klimaschutz dar.
Fahrzeugbestand. Wollen wir unsere Klimaziele erreichen, muss auch der Fahrzeugbestand (Pkw und Lkw) mit Dieselmotoren einen Beitrag dazu leisten. Gleichzeitig wird es nur schwer gelingen, den Schwerlastverkehr auf elektrische Antriebe umzustellen.
Regionale Wertschöpfung. Biodiesel wird meist von mittelständischen Unternehmen und aus heimischen Ausgangsstoffen hergestellt. Die zahlreichen Produktionsanlagen sind über ganz Deutschland verteilt. Biodiesel kann per Binnenschiff, per Zug oder per Lkw geliefert werden.
Vorgabe der Europäischen Union. Im Erwägungsgrund (99) der Richtlinie (EU) 2023/2413 des Europäischen Parlaments und des Rates heißt es: „Fast die gesamte Dieselversorgung der Union besteht nämlich bereits aus B7. Der Höchstanteil biobasierter Komponenten sollte daher von 7 % auf 10 % angehoben werden.“ Mit anderen Worten: Die Europäische Union hat es sich zum Ziel gesetzt, dass B10 der Standarddiesel an Europas Tankstellen wird.
Werden B10 und höhere Biodiesel-Beimischungen bereits in anderen Ländern genutzt?
B10 und höhere Beimischungen bis hin zu B100, also die Verwendung von reinem Biodiesel, werden bereits in Ländern wie Frankreich und Belgien (B10, nicht flächendeckend), Portugal (B15, nicht flächendeckend), USA (bis B20), Brasilien (B10 oder B12, flächendeckend) oder in Ländern Südostasiens (B10 und B20, meist flächendeckend) sowie Österreich, der Schweiz und Deutschland (B100, einzelne Fuhrparks) genutzt.
Welche Fahrzeuge dürfen B10 tanken?
Viele Pkw und Lkw sind bereits für den Betrieb mit B10 freigegeben. Eine Übersicht „Freigaben für Motoren und Fahrzeuge für den Betrieb mit B10-Dieselkraftstoff gemäß DIN EN 16734“ wurde von der Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel e.V. (AGQM) erstellt. Eine weitere Übersicht mit dem Titel „B10-/XTL-Verträglichkeit für Kraftfahrzeuge“ finden Sie auf der Website der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT). Zusätzlich finden Sie Hinweise auf eine B10-Freigabe im Tankdeckel des Fahrzeuges oder in der Betriebsanleitung. Oder fragen Sie einfach nach beim Hersteller Ihres Fahrzeuges oder in einer Vertragswerkstatt.
Gibt es eine Norm für B10?
Ja, die B10-Norm führt die Bezeichnung DIN EN 16734.
Wo wird B10 angeboten?
Ziel muss es sein, dass B10 an möglichst vielen Tankstellen in Deutschland angeboten wird. Jede Tankstelle, die B10 anbietet, ist allerdings verpflichtet, weiterhin auch B7 als sogenannte Bestandsschutzsorte anzubieten.
Woran erkenne ich ein B10-Angebot an der Tankstelle?
Bietet eine Tankstelle B10 an, finden Sie an der Zapfsäule den Hinweis „Diesel B10“ und „Enthält bis zu 10 % Biodiesel“. Zudem erkennen Sie ein Angebot an der Zapfsäule an folgender Kennzeichnung.

Könnte die zusätzlich benötigte Menge Biodiesel von heimischen Herstellern produziert werden?
Grundsätzlich wäre es möglich, den zusätzlichen Bedarf in Deutschland zu produzieren. Ausreichend Produktionskapazität stünde zur Verfügung. Deutschland importiert Biodiesel aber auch aus anderen EU-Ländern oder Drittstaaten. Gleichzeitig exportiert Deutschland auch große Mengen Biodiesel, zum Beispiel in die Niederlande.
Welche Ausgangsstoffe würden für die Produktion der zusätzlich benötigten Menge Biodiesel genutzt?
Zusätzlich in Deutschland in Verkehr gebrachter Biodiesel würde in erster Linie aus Abfall, wie gebrauchten Speiseölen, Reststoffen oder Rapsöl hergestellt. Biodiesel aus Palmöl darf seit 2023 nicht mehr auf die deutschen Klimaziele angerechnet werden.
